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Zwischen Liebe, Frust und Überforderung



Mein Kind hat ADHS – so habe ich mir Elternschaft nicht vorgestellt


Als Eltern machen wir uns oft ein Bild davon, wie Familienleben aussehen wird: gemeinsame Ausflüge, gemütliche Abende, harmonische Hausaufgabenzeiten und ein Alltag, der zwar manchmal anstrengend ist, aber grundsätzlich gut funktioniert.

Viele Eltern von Kindern mit ADHS erleben jedoch etwas ganz anderes.


Sie stehen morgens bereits unter Druck, weil das Anziehen, Zähneputzen oder Frühstücken zum täglichen Kraftakt werden kann. Sie erhalten Rückmeldungen aus der Schule, müssen Konflikte begleiten, impulsive Reaktionen auffangen und immer wieder erklären, warum ihr Kind nicht einfach „mehr aufpassen“ oder „sich besser zusammenreissen“ kann.


Oft entsteht das Gefühl, ständig im Krisenmodus zu sein.

Was viele Eltern nur selten aussprechen: Diese Belastung kann zu Erschöpfung, Überforderung und manchmal sogar zu einer Art Eltern-Burnout führen. Man liebt sein Kind von ganzem Herzen – und gleichzeitig bringt einen sein Verhalten manchmal an die eigenen Grenzen.


Vielleicht kennen Sie Gedanken wie:

  • «Warum ist bei uns alles so schwierig?»

  • «Ich habe keine Energie mehr.»

  • «Ich bin ständig am Schimpfen.»

  • «Andere Familien scheinen das viel besser hinzubekommen.»

  • «Manchmal halte ich das Verhalten meines Kindes kaum noch aus.»


Solche Gedanken machen viele Eltern betroffen oder lösen Schuldgefühle aus. Doch sie sind ein Zeichen dafür, wie gross die Belastung geworden ist – nicht dafür, dass Sie eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater sind.


Schwierige Gefühle dürfen da sein

Viele Eltern tragen Gefühle in sich, über die kaum gesprochen wird: Wut, Frustration, Hilflosigkeit, Enttäuschung oder sogar Trauer darüber, dass das Familienleben anders aussieht als erhofft.

Diese Gefühle sind menschlich.

Sie bedeuten nicht, dass Sie Ihr Kind nicht lieben. Sie zeigen vielmehr, dass Ihre eigenen Bedürfnisse möglicherweise schon lange zu kurz kommen und dass Sie sich in einer Situation befinden, die viel Kraft verlangt.

Erst wenn wir uns erlauben, diese Gefühle wahrzunehmen, können wir konstruktiv mit ihnen umgehen.


Was kann helfen?

1. Verstehen statt bewerten

ADHS ist keine Frage von Motivation, Erziehung oder gutem Willen. Viele Verhaltensweisen entstehen durch Schwierigkeiten in der Selbststeuerung, Impulskontrolle und Aufmerksamkeitsregulation. Dieses Wissen verändert nicht sofort den Alltag, kann aber helfen, Verhalten weniger persönlich zu nehmen.


2. Die eigenen Erwartungen überprüfen

Manche Erwartungen stammen aus einem Familienbild, das für ein Kind mit ADHS schlicht nicht realistisch ist. Nicht Perfektion sollte das Ziel sein, sondern ein Alltag, der für alle Beteiligten tragbar und lebbar wird.


3. Eigene Grenzen ernst nehmen

Eltern sind keine unerschöpfliche Ressource. Regelmässige Erholungszeiten, Unterstützung durch das Umfeld oder professionelle Begleitung sind keine Luxusgüter, sondern wichtige Schutzfaktoren.


4. Mit sich selbst so sprechen wie mit einem guten Freund

Viele Eltern gehen sehr hart mit sich um. Fragen Sie sich: Würde ich einer guten Freundin oder einem guten Freund in derselben Situation dieselben Vorwürfe machen? Wahrscheinlich nicht.


5. Den Blick auf die Stärken richten

Kinder mit ADHS bringen oft Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Spontaneität, Humor und besondere Denkweisen mit. Diese Stärken gehen im stressigen Alltag manchmal verloren. Sich bewusst Zeit zu nehmen, um auch diese Seiten wahrzunehmen, kann die Beziehung stärken.


Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen



Elternschaft mit ADHS ist oft herausfordernder, als viele Menschen von aussen erkennen. Es ist in Ordnung, Unterstützung anzunehmen, Fragen zu stellen und sich begleiten zu lassen.

Manchmal beginnt Veränderung nicht damit, dass sich das Kind verändert – sondern damit, dass Eltern lernen, sich selbst mit mehr Verständnis, Mitgefühl und Fürsorge zu begegnen.

Denn nur wer auch auf sich selbst achtet, kann langfristig die Kraft aufbringen, sein Kind zu begleiten.

 
 
 

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