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Schulstart

Gut vorbereitet – und trotzdem gelassen

Mit ADHS in den Schulstart

Die letzten Ferientage sind da. Vielleicht steht der neue Schulsack schon bereit, vielleicht fehlen noch drei Hefte, die Turnsachen sind irgendwo verschwunden und der Schlafrhythmus erinnert noch eher an Ferien als an Schule.

Und vielleicht steigt neben der Vorfreude auch langsam die Anspannung.


Wie wird der Schulstart?

Wird mein Kind zurechtkommen?

Haben wir an alles gedacht?



Für Kinder und Jugendliche mit ADHS ist der Schulbeginn oft eine besonders intensive Zeit. Nach mehreren Wochen Ferien verändern sich plötzlich Tagesstruktur, Anforderungen und Erwartungen. Frühes Aufstehen, pünktlich sein, Material dabeihaben, zuhören, warten, planen, Hausaufgaben erledigen und sich immer wieder auf Neues einstellen – all das fordert genau jene exekutiven Funktionen, die bei ADHS häufig besonders viel Energie benötigen.

Die gute Nachricht: Wir müssen nicht alles perfekt vorbereiten. Oft helfen ein paar kleine Dinge, damit der Übergang etwas leichter wird.


Orientierung schaffen

ADHS-Gehirne profitieren von Vorhersehbarkeit. Was uns Erwachsenen selbstverständlich erscheint, kann deshalb ruhig sichtbar gemacht werden.

In den letzten Tagen vor Schulbeginn kann es helfen, gemeinsam zu schauen:

Wann müssen wir morgens aufstehen?Wie kommen wir zur Schule?Was gehört in den Schulrucksack?Wo werden Schulsachen zuhause abgelegt?Was passiert nach der Schule?

Bei jüngeren Kindern können Bilder, ein kleiner Morgenplan oder eine Checkliste unterstützen. Bei älteren Kindern und Jugendlichen reicht vielleicht eine kurze gemeinsame Planung.


Was sichtbar ist, muss nicht ständig im Kopf behalten werden.



Routinen langsam zurückholen

Der Ferienrhythmus muss nicht von heute auf morgen verschwinden. Es kann aber hilfreich sein, Schlafens- und Aufstehzeiten bereits einige Tage vorher wieder etwas in Richtung Schulalltag zu verschieben.

Auch vertraute Abläufe dürfen wieder auftauchen: Kleider am Vorabend bereitlegen, Trinkflasche auffüllen, Schulsachen an einem festen Platz sammeln oder gemeinsam einen Blick auf den nächsten Tag werfen.

Dabei gilt:


Lieber eine einfache Routine, die funktioniert, als ein ausgeklügeltes System, das nach drei Tagen alle stresst.


Die Umgebung darf mitdenken

„Du musst einfach besser daran denken“ ist für viele Menschen mit ADHS keine besonders hilfreiche Strategie.

Viel wirksamer ist es, die Umgebung so zu gestalten, dass sie einen Teil des Denkens übernimmt.

Ein Korb für Schulsachen bei der Tür.Ein fester Platz für Schlüssel und Busabo.Eine sichtbare Checkliste.Ein zweites Ladekabel im Rucksack.Erinnerungen im Handy.

Das sind keine „Krücken“. Es sind Strategien.

Wir dürfen Anforderungen so gestalten, dass das Gehirn nicht für jeden kleinen Alltagsschritt unnötig viel Energie aufbringen muss.


Nicht nur den Rucksack vorbereiten

Vor einem Schulstart beschäftigen Kinder oft ganz andere Fragen als uns Erwachsene.

Wer sitzt neben mir?Mag mich meine neue Lehrperson?Was, wenn ich etwas falsch mache?Was, wenn ich wieder Ärger bekomme?Schaffe ich das überhaupt?

Manchmal brauchen diese Gedanken gar keine schnelle Lösung. Es hilft bereits, wenn sie ausgesprochen werden dürfen.


Ein Satz wie „Wir schauen gemeinsam, wie es wird“ kann entlastender sein als zehn gut gemeinte Ratschläge.


Nach der Schule darf die Luft raus

Ein Schultag verlangt Kindern mit ADHS oft enorme Regulationsleistung ab. Sie mussten aufmerksam sein, Impulse bremsen, soziale Situationen einschätzen, Übergänge bewältigen, stillsitzen, Arbeitsaufträge behalten und mit vielen Reizen umgehen.

Manche Kinder kommen deshalb nach Hause und – explodieren.

Das bedeutet nicht automatisch, dass der Schultag schlecht gelaufen ist. Manchmal zeigt es schlicht, wie viel Kraft er gekostet hat.

Gerade in den ersten Schulwochen darf deshalb nach der Schule weniger auf dem Programm stehen. Essen, trinken, bewegen, Rückzug, spielen, Musik hören oder einfach einmal nichts müssen können wichtiger sein als die nächste Aufgabe.


Und was ist eigentlich mit den Eltern?

Auch darüber möchten wir sprechen.

Denn manchmal trifft ein neurodivergentes Kind zuhause auf ein neurodivergentes Elternteil.

Dann klingt „Sorgen Sie für klare Routinen, gute Vorbereitung und eine ruhige Morgenstruktur“ auf dem Papier wunderbar – und um 7.32 Uhr sucht trotzdem jemand den zweiten Schuh, ein Kind weigert sich, die Jacke anzuziehen, das Znüni steht noch auf der Küchenablage und der eigene Kopf versucht gleichzeitig, an fünf Dinge zu denken.


Auch Eltern müssen den Schulstart nicht perfekt meistern.



Wenn Routinen schwerfallen, dürfen sie möglichst simpel sein. Wenn morgens wenig Kapazität vorhanden ist, darf am Vorabend vorbereitet werden. Wenn Checklisten helfen, dürfen auch Erwachsene eine haben.

Und wenn es trotzdem chaotisch wird?

Dann war es eben ein chaotischer Morgen.

Nicht jeder schwierige Morgen braucht eine pädagogische Analyse und nicht jede vergessene Trinkflasche ein neues Organisationssystem.


Die ersten Wochen sind eine Übergangszeit

Vielleicht ist das die wichtigste Erinnerung zum Schulbeginn:


Gebt euch Zeit.


Ein neues Schuljahr muss nicht in der ersten Woche funktionieren.

Kinder müssen ihre Lehrpersonen kennenlernen. Klassen müssen sich finden. Neue Abläufe müssen automatisiert werden. Das Gehirn muss sich wieder an den Rhythmus gewöhnen – und auch Familien müssen ihren Alltag neu sortieren.

Beobachtet deshalb lieber neugierig:

Was funktioniert schon gut?Wo braucht mein Kind noch Unterstützung?Was können wir vereinfachen?

Und vor allem: Was darf einfach noch ein bisschen Zeit brauchen?


Unser Gedanke zum Schulstart

Wir wünschen allen Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen einen guten Start ins neue Schuljahr.

Nicht unbedingt einen perfekten.

Sondern einen, bei dem Fehler passieren dürfen, Routinen wachsen können und nach einem schwierigen Tag am nächsten Morgen wieder neu begonnen werden darf.

Denn ein guter Schulstart bedeutet nicht, dass vom ersten Tag an alles klappt.


Manchmal bedeutet er einfach: Wir finden gemeinsam unseren Weg.


Herzlich

Marion Ruppen & Vanessa Dini

Fokus ADHS GmbH

 
 
 

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